Mac OS X 10.12

Sierra

Muss ich mit meinem Rechner sprechen können? Hier scheiden sich die Geister. Für die einen ein lang ersehntes Feature, das Apple mit Mac OS X 10.12 Sierra einführt, für die anderen eine nutzlose Funktion. Was am iPhone, wo die Sprachsteuerung mit Siri schon ganz gut funktioniert, eingeführt wurde, hält nun auch auf dem Rechner Einzug. Auch hier wird die Funktionalität erst durch die Rechenpower der Apple Server möglich, sprich alle Spracheingaben gehen erstmal über das Internet. Nur Dateinamen und deren Inhalte werden lokal gesucht und nicht an die Siri Server übermittelt.

Siri - neu in OS X 10.12 Sierra

Nicht nur Siri ist ein weiterer Schritt in Richtung Datenübermittelung, auch die iCloud Dienste schaufeln mehr und mehr Daten in die Cloud. Da Apple sich die SSD’s in seinen Rechnern teuer bezahlen lässt, für viele die einzige Möglichkeit, nachträglich Platz auf dem Rechner zu schaffen, wenn beim Kauf desselbigen hier gespart wurde. So lassen sich nun Schreibtisch oder sogar der gesamte Dokumenten-Ordner in die iCloud verlagern. Hier sind, wie bereits vorher üblich, die ersten 5GB kostenlos, alles darüber wird monatlich in Rechnung gestellt. Die Preise liegen hier etwas über denen des etablierten Dropbox Dienstes, der in unseren Augen aber deutlich mehr Funktionen bietet. Was den Datenschutz angeht, sollte man, je nach Sensibilität der Daten, die Verwendung einer Verschlüsselungssoftware wie Cryptomator (kostenlos) oder Boxcryptor (Abo) 

in Erwägung ziehen. Apple tut hier nur einen Schritt, den die meisten Unternehmen bereits vollzogen haben, nämlich mehr und mehr Daten und Rechenleistung in die Cloud zu verlagern. Das mag bequem sein, birgt eben aber auch Risiken. Abgesehen von der Bezahlung des Speicherplatzes (Eigene Festplatte / SSD = sofortige Bezahlung, Cloud-Dienst = monatliche Miete) bleibt immer die Frage nach der Datenhoheit. Ich spreche hier nicht davon, dass jemand meine Daten wie Texte, Bilder, Filme ansieht, sondern davon, dass Maschinen analysieren, wann ich was gemacht habe. Jeder Klick wird nachvollziehbar, wann, wo, wie und womit ich mich beschäftigt habe. Im Vergleich zu Google, Microsoft, Facebook oder Adobe schneidet Apple, was Analyse und Schutz der Daten angeht, noch sehr gut ab. Aber Daten, die einmal über mich gesammelt wurden, erhalte ich nicht zurück. Und so kann es nicht schaden, hier sparsam vorzugehen. Zum Glück lässt Apple einem hier die Optionen dies einzuschränken und abzustellen. Wer also Sierra einrichtet, sollte am Anfang aufmerksam lesen, wo er besser ein Häkchen setzt und wo nicht, so dass nicht ungewollt Daten in der Cloud landen.

Ansonsten setzt Apple, wie bereits bei dem vorherigen Betriebssystem Upgrades, konsequent den Weg des Verschmelzens zwischen OS X und iOS fort. War das Teilen der Zwischenablage zuvor nur über Fremdanbieter Apps möglich (z.B. Type2Phone), so ist es jetzt Systembestandteil. Vorausgesetzt, man hat auf allen Geräten stets die neueste Software. Ein Dilemma, das vielen sauer aufstößt. Zum Beispiel, wenn sich das neueste iPhone plötzlich nicht mehr mit dem etwas veralteten Betriebssystem des Rechners synchronisieren lässt. Und wer dann am Rechner auf Upgraden klickt, weil es ja kostenlos angeboten wird, steht dann vielfach mit einem Rechner da, dessen Hardware mit dem neuen System hoffnungslos überfordert ist. Dann hilft meist nur der Kauf eines neuen Rechners oder eben das Kontaktieren eines Profis, der die Betriebssystem Uhr wieder soweit zurück dreht, dass die beiden Geräte kompatibel sind, die Hardware des Rechners aber noch genug Performance zum Arbeiten liefert.

Doch auch, wer noch genug Rechenleistung in Reserve hat, sollte vor einem Upgrade genauer hinsehen, denn vielfach ist alte Software oder Hardware nicht mehr kompatibel. Im Profibereich kann das schnell teure Anschaffungen nach sich ziehen, wenn es für einen Großformat Drucker, Scanner oder Audio und Video Hardware keine Treiber mehr vom Hersteller gibt. Zum Glück versorgt Apple ja auch ältere Betriebssysteme noch lange mit Software Sicherheitsupdates. Und wenn Safari keine Updates mehr erhält, dann hilft meist Firefox noch ein Weilchen weiter.

Ein lang ersehntes Feature hielt leider noch keinen richtigen Einzug in OS X 10.12, nämlich das neue Dateisystem, das Apple entwickelt hat mit dem Namen „APFS“, Nachfolger des veralteten HFS+. Eine von Profis lang erwartete Neuerung, die z.Zt. aber nur Entwicklern zur Verfügung steht. Es ist speziell für SSD’s optimiert und erlaubt es u.a., Partitionen dynamisch in der Größe anzupassen, ohne das Laufwerk neu zu partitionieren. Ein Riesenvorteil! Außerdem bringt es die Möglichkeit mit, ganze Laufwerke zu verschlüsseln, und nicht wie bisher mit FileVault nur die Benutzer Verzeichnisse.

Unter iOS soll das neue Dateisystem bereits ab iOS 10.3 kommen, unter OS X vermutlich dann erst unter 10.13.

FileVault in OS X 10.12 Sierra

Bisher war es immer so, das Apple abwechselnd mit jedem neuen System entweder Stabilitätsverbesserungen und Geschwindigkeitsoptimierungen oder neue Features und Funktionen eingeführt hat. 10.6 war enorm stabil und schnell, 10.7 brachte viele neue Funktionen, machte alte Rechner aber langsamer. Bei 10.8 waren die Verbesserungen eher unter der Haube. Und so ging es dann weiter mit vielen neuen Funktionen unter 10.9 und einer besseren Stabilität und Performance unter 10.10. Dito bremste 10.11 wieder alte Rechner aus und nun wurde von allen ein schnelles und stabiles 10.12 erwartet, das vor allem wieder die Profis erfreut. Leider ist dem nicht so. Die Neuerungen betreffen allesamt wieder den Consumer Bereich und das Zusammenwachsen mit den iOS Geräten, wie das Entsperren des Rechners mit der Apple Watch. Aber Vorsicht: dies funktioniert nur mit der sogenannten „Zwei Faktor Authentifizierung“. Ein sehr sicheres Feature, das aber auf Dauer ziemlich nerven kann. Jeder Zugriff an einem neuen Gerät oder Programm muss über einen per SMS versandten Zahlencode verifiziert werden. Und wehe es befindet sich noch ein Gerät mit älterem Betriebssystem wie z.B. 10.8 im Gerätepark, dann klappt die Verifizierung nicht und es bleibt einem keine andere Möglichkeit, als diese wieder umständlich abzuschalten.

Apple 2 Faktor Authentifizierung unter iOS

Einher mit dem neuen System ging auch die Vorstellung der neuen MacBook Pro’s mit der neuen Touch Bar. Ein innovatives, neues Feature, das sich mit Sicherheit durchsetzen wird. Gerade in Profi Programmen für Audio und Video Schnitt lassen sich hier sinnvoll Funktionen auf die Touch Bar legen.

Final Cut Pro X - MacBook Pro - Touch Bar

Aber wie es meist mit neuer Technik so ist, muss auch hier noch einiges ausreifen, bis es denn rund läuft. Freuen dürfen sich all die, die endlich mehr als 1TB Speicherplatz in ihrem MacBook Pro haben wollten: die neuen Geräte lassen sich mit bis zu 2TB ordern. Allerdings immer noch nicht mit mehr als 16GB RAM, was bereits 2011 möglich war. Profis fühlen sich hier nicht zu Unrecht seit langem von Apple vernachlässigt. Denn die neuen MacBook Pro’s haben eines ganz sicher nicht mehr: die Möglichkeit, sie nachträglich zu erweitern. Seit dem es die Retina Displays gibt, hat Apple die mobilen Geräte mehr und mehr gekapselt. Anwendern, die mit einem MacBook Pro von 2012 zu uns kommen, können wir ihr Gerät noch problemlos mit einer SSD in 1,2 oder sogar 4TB und 16GB RAM aufrüsten. Wer noch mehr braucht und auf sein CD/DVD Laufwerk verzichten kann, kann auch gerne das Doppelte an SSD Platz bekommen.

Mac Book Pro - Service durch Apple Support Hamburg - System Support

Das geht bei den neuen Geräten nicht. Hier ist alles fest verklebt oder verlötet. Selbst zur Datenrettung der SSD wird ein spezieller Adapter von Apple benötigt und der Ausbau ist kompliziert. Abgesehen davon, das wichtige Schnittstellen weggefallen sind, die Profis einfach brauchen. Klar, alles läßt sich mit Adaptern lösen, aber das schöne an einem kleinen, eleganten Apple Gerät ist doch auch das Design. Und was nützt mir ein schönes MacBook Pro, das vollgehängt ist mit Adaptern, die nichtmal farblich dazu passen? Und warum verabschiedet sich Apple bitte schön von der größten Innovation seit der Erfindung des Klettverschluss, dem MacSafe Adapter? Soll mein 5.000,- EUR MacBook Pro wieder auf dem Boden landen, wenn ich Nachts schlaftrunken im Hotel über das Netzkabel Stolper auf dem Weg zurück zum Bett, auf dem mein MacBook Pro steht und auf dem ich gerade vor dem Schlafen gehen noch an der Präsentation für den nächsten Tag gearbeitet habe? Schade, manche Dinge scheint Apple nicht mehr zu Ende zu denken. Das fing mit der Magic Mouse 2 an, die wie ein Käfer auf dem Rücken liegen muss um geladen zu werden, statt den Lightning Anschluss an der Spitze des Nagers zu haben und während des Ladevorgangs einfach mit einer Kabelmaus weiterarbeiten zu können.

Apple Magic Mouse 2

Setzte sich dann fort mit dem Smart Battery Case für das iPhone, bei dem andere Fremdhersteller schon vorgemacht hatten, wie man Nutzen und Funktion mit gutem Design verbinden kann und Apple einen hässlichen Klotz liefert, den Steve Jobs vermutlich sofort in seinen berühmten Wassereimer gepfeffert hätte.

iPhone Battery Pack

Meine Frau fragte mich kürzlich, wie lange Steve Jobs bereits Tod sei und ich sagte 5 Jahre. Hatte er Apple nicht einen 5 Jahresplan hinterlassen? Manchmal wäre es gut, wenn Apple nicht an seinem selbst auferlegten Jahresrhythmus an Hardware und Software Updates festhalten würde, sondern manches Produkt einfach länger ausreifen ließe. Das ist es doch eigentlich, was wir an Apple schätzen: Produktdesign, das für den Menschen gemacht ist, und nicht Technik, nach der sich der Mensch richten muss.

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